Ich bin China von Xiaolu Guo

Titel: Ich bin China
Autor: Xiaolu Guo
Übersetzer: Anne Rademacher
Veröffentlicht: 2015
Seitenzahl: 432
Verlag: Knaus Verlag
Serie: Nein
Genre: Roman
Preis: 19,99€
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Zum Cover:
Ich finde das Cover wirklich toll. Der Schutzumschlag ist halb-transparent, weshalb das Bild der Frau auf dem eigentlichen Buchdeckel schön durchschimmert. Auf den Fotos sieht das nicht so extrem toll aus, aber als ich das Buch in der Hand hielt, war ich komplett von den Socken.
Die Farbe rot ist perfekt gewählt, auf der einen Seite bedeutet sie Liebe und Glück. Gerade bei traditionell chinesischen Hochzeiten sind die Bräute in rot gehüllt, weil sie Böses abwehren und Kraft spenden soll. Auf der anderen Seite ist es die Farbe de KPCh (Kommunistische Partei Chinas), die auch eine grosse Rolle in dem Buch spielt.
Die Farbe legt sich über die Frau auf dem Buchdeckel, ein Symbol der Unterdrückung durch den Staat, oder eine Bitte um Kraft... Chinesische Symbolik ist einfach toll *_*

Zur Geschichte:
Iona, eine Übersetzerin aus England, bekommt den Auftrag, einen Stapel Dokumente aus dem Chinesischen ins Englische zu übersetzen. Doch es handelt sich nicht um offizielle Dokumente, sondern um Briefe und Tagebucheinträge, die die traurige Geschichte zweier Liebender erzählt, Jian und Mu. Er, ein moderner Punk, der versucht, die chinesische Gesellschaft wachzurütteln. Sie, ein Bauernmädchen, die für eine Zeitschrift unpolitische, romantische Gedichte schreibt und bloss kein Aufsehen erregt. Mitten in einem riesigen Konzert stürmt die Staatspolizei das Gebäude und nimmt Jian fest. Was wird mit ihm geschehen? Was hat seine Vergangenheit damit zu tun? Werden die Liebenden einen Weg zueinander finden, oder ist alle Hoffnung verloren?

Meine Meinung:
Der Schreibstil der Autorin ist.. schwer. Ich hab erst gedacht, es läge daran, dass das Buch aus dem Chinesischen übersetzt worden ist, und chinesisch zu übersetzen ist sehr kompliziert, da ein Satz dreimal geschrieben werden kann und dreimal etwas komplett anderes bedeutet. Aber sie hat es ursprünglich aus Englisch geschrieben, weshalb diese Theorie verfällt. Es kann auch daran liegen, dass es einfach ein sehr schweres Thema ist, das die Autorin hier anschneidet und die Gefühle die jemand in den Situationen hat in denen die Protagonisten stecken, wirklich sehr wirr sind.
Die Geschichte ist traurig. Und sie wird noch trauriger wenn man bedenkt, dass sie gar nicht mal so abwegig ist. Es gibt noch heute politische Gefangene in China, es gibt Menschen die heimatlos sind, oder Unpersonen sind, wie das Buch schreibt, auf Grund ihrer politischen Meinungen, oder ihrem Kampf um Freiheit.

"Unperson. Das Wort klingt so absurd, dass es fast Chinesisch sein könnte." (S. 66)

Ich war mir am Anfang des Buches nicht ganz sicher, wo das ganze hinführen sollte. Ein paar Briefe, ein paar Tagebucheinträge und das war es. Aber das Buch zeigt einem, dass es gar nicht mal so wichtig ist, einen Weg zu haben, den das Buch folgt. Es ist viel wichtiger, die Geschichte einfach drauflos laufen zu lassen.
Es ist kein spannendes Buch, es ist kein Liebesroman, es ist eine Geschichte, die aus dem echten Leben genommen sein könnte. Ruhig, ohne Explosionen oder Specialeffects. Das Buch hat etwas meditatives an sich, es schläfert nicht ein, aber durch die Ruhe, die in dem Buch herrscht (auch wenn es aufgewühltere Stellen gibt), beruhigt es einen.
Es ist ein politisches Buch, ja. Aber die Politik steht weniger im Vordergrund als erwartet. Es geht nur um Mu und Jian, zwei Menschen, die Dank einer menschenverachtenden Politik getrennt wurden und sich nun alleine in ihrem Leben zurechtfinden müssen. Aber natürlich werden die Familiengeschichten der beiden von der Politik beeinflusst. So beging Jians Mutter Selbstmord, weil sie Erik Satie hörte und somit als Rechtsabweichlerin galt.

"Mittlerweile glaube ich, dass China den USA niemals ähneln wird, weil wir in unserem Land keine Schwarzen haben. Ausserdem könnte ein Fremder niemals chinesischer Staatsbürger werden." S. 145

Fazit:
Es ist ein Buch, das anders ist. Es ist schwer zu lesen, aber trotzdem möchte man immer weiter lesen. An manchen Stellen zieht es sich, aber an anderen zieht es einen in seinen Bann. Es ist ein ruhiges Buch, für das man Ruhe benötigt.
 -Henny

Vielen Dank an den Knaus Verlag für das Rezensionsexemplar!

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