Was fehlt, wenn ich verschwunden bin von Lilly Lindner

Titel: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin 
Autor: Lilly Lindner
Veröffentlicht: 2015
Seitenzahl: 400
Verlag: Fischer Kinder und Jugendbuch
Serie: Nein
Genre: Jugendbuch
Preis: 9,99€
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Zum Cover:
Das Cover ist wirklich schön. Wie schon tausend mal erwähnt, finde ich Cover die in simplen Farben gehalten sind, oft viel schöner als diese multiemotionalen Farbexplosionen die man auf manchen Cover findet. Der blaue Hintergrund erinnert mich an Leichtigkeit, an den Sommer, an Glücklichsein. Die Vögel die das Ich umranden scheinen wegzufliegen. "Ich" verschwindet nach und nach... Ein schönes aber sehr trauriges Cover, wenn man an die Geschichte denkt.

Zur Geschichte:
Phoebes ältere Schwester, April, ist krank. Sie wohnt nun in einer Klinik, damit sie gesund werden kann. Ihre Krankheit ist aber nicht wie ein Schnupfen, sie ist nicht ansteckbar und auch nicht mit Medikamenten zu heilen. Es ist eine verborgene Krankheit die nur nach langer Zeit auffällt. Eine Krankheit die April dazu zwingt die Geburtstagstorte nicht anzurühren, ihr Lieblingsessen durch Gurkenscheiben zu ersetzen und ihren Magen keine Nahrung mehr aufnehmen lässt. April ist in einer Klinik. Sie darf keinen Kontakt zu der Aussenwelt haben, weil sich diese negativ auf ihre Erholung auswirken könnte, doch Phoebe beginnt Briefe zu schreiben. Die 9-Jährige setzt sich hin und verarbeitet ihren Kummer um den Verlust ihrer Schwester in dem sie ihr schreibt. Und jeden Tag hofft sie auf Antwort. Wann wird sie ihre Schwester wieder in den Arm nehmen können?

Meine Meinung:
Das Thema des Buches ist echt nicht einfach. Oft wird man dazu gebracht einen dicken fetten Kloss im Hals runterzuschlucken um nicht gleich in Tränen auszubrechen. Ich möchte gar nicht wissen wie die Autorin sich beim schreiben dieses Buches gefühlt hat.
Der Schreibstil ist locker, aber sehr interessant. Phoebe, wie auch April, kam mir von Anfang an sehr sehr intelligent vor. Sie senkt sehr erwachsen, was nicht schwer ist wenn die Autorin erwachsen ist, aber verliert gleichzeitig nicht das kindlich naive einer 9-Jährigen. Diese beiden Komponenten zu vereinen zeugt von einer grossen schriftstellerischen Leistung. 
Die Geschichte wird in den bereits erwähnten Briefen erzählt. Wir erfahren nichts drumherum, nur das was in diesen Briefen geschrieben wird. Dadurch kriegt man natürlich einen sehr simplen Eindruck, da alles aus der Sichtweise eines kleinen (wenn auch intelligenten) Mädchens geschrieben wird. Und mal ganz ehrlich, ich fand auch nicht alles toll, was mir meine Eltern erzählt haben. In der Leserunde haben viele das Verhalten der Eltern kritisiert, aber ich hatte das Gefühl die meisten können sich nicht in diese hineinversetzen, gerade wegen der einfachen Perspektive. Es muss unheimlich schwer sein für “Durchschnitts”Menschen ein oder zwei hochintelligente Kinder zu haben die alles, ständig und ununterbrechlich in Frage stellen. 
Ich habe mich selbst oft über Phoebes Fragerei aufgeregt. So ein Verhalten kannte ich bisher nur von meinem Cousin als er in der “Warum?”-Phase war. Und ich denke alle Eltern sind froh, wenn diese Phase bei ihren Kindern vorbei ist. Wenn diese nun aber für immer andauert und das noch in doppelter Ausfertigung, ist es doch verständlich, dass die Eltern da nach und nach keine Lust mehr drauf haben. 
Zurück zur Geschichte. Die Geschichte ist bewegend und traurig. Trotzdem habe ich an manchen Stellen lachen müssen und habe mich mit Phoebe gefreut. Doch so emotional wie viele das Buch beschrieben haben, fand ich es nicht. Ich fand einfach es fehlte die elterliche Perspektive, denn viele ihrer Reaktionen die dann ach so traurig sind, wirken wahrscheinlich ganz anders wenn wir gewusst hätten weshalb sie so reagiert haben. 

Fazit:
Das Buch war gut, keine Frage. Aber ich hatte mir irgendwie mehr erhofft. Es ist mir nicht grossartig in Erinnerung geblieben, auch wenn der Schreibstil toll war und ich eine riesige Liste an Seitennummern mit Zitaten habe. Trotzdem ist die Geschichte nichts besonderes, da es zwar vom Hintergrund des ganzen spricht, aber irgendwie auch nicht. Es wird nur erzählt wie unverstanden Phoebe und April sich fühlen, aber wieso April diesen Schritt gegangen ist, kommt irgendwie nicht klar rüber. Deshalb gibt es von mir:

 -Henny

Vielen Dank an die Fischer Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars :)

1 Kommentar:

  1. Da es mein persönliches Buch des Jahres war finde ich es natürlich etwas schade zu Lesen das es nicht so gefallen hat / nicht so im Gedächtnis haften blieb.

    Ich finde eigentlich das es sehr klar gemacht wird am Ende was mit April geschehen ist und von dort die Brücke zu schlagen warum sie wurde wie sie ist.

    Fehlt die elterliche Perspektive?
    Nun ja, es wäre interessant gewesen mehr über deren Bewegründe zu Wissen, und ja es gab Momente im Buch in denen ich schon gerne in der Lage gewesen wäre deren Tun oder eben unvermögen zu tun besser zu verstehen - aber ich denke diese Ebene hätte der Erzählung eher geschadet.
    So bleiben Phoebe und Aprils Eltern fehlerbehaftete Menschen deren Motivation man glaubt erahnen zu können aber eben ohne das es je Gewißheit geben kann.
    Es ist wie mit den eigenen Eltern, man glaubt, man hofft das sie ihre Kinder lieben, aber durch die Zwänge und Normen denen sie sich selbst unterwerfen - der Mutter scheint es oft wichtiger zu sein wie andere über eine Situation Denken oder Urteilen, denn wie diese in Wahrheit ist - und durch ihre Kommunikativitätsunfähigkeit - ins besondere des Vaters - und letzlich durch ihr scheinbar völliges Fehlen der Wahrnehmung das ihre eigenen Tochter einfach aufgehört hat zu Kommunizieren wirken sie zwangsläufig Emotionskalt.
    Aber um genau dies geht ja schließlich auch, um die Sprachlosigkeit, das Verstummen, um das aufgeben von Kommunikation, um den Versuch Emotionen einfach auszublenden.

    Und ich möchte sagen in gewisser weise sehen wir in der Reaktion der Eltern, in dem wenigen das wir zu Gesicht bekommen, in deren kompletter emotionaler Überforderung das auch sie eben ein stückweit Opfer einer Gewalt wurden die sich dem Sprachvermögen entzieht.

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