Der Kuss von Boris Meyn

Titel: Der Kuss
Autor: Boris Meyn
Veröffentlicht: 2014
Seitenzahl: 266
Verlag: Osburg-Verlag
Serie: Nein
Genre: Roman
Preis: 19,99
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Zum Cover:
Das Cover ist schlicht in Schwarz-Weiss gehalten. Der Kontrast sieht gut aus, das Cover insgesamt ist simpel gehalten. Etwas das auf der einen Seite für den künstlerischen Minimalismus stehen könnte, aber auch dem Inhalt des Buches etwas entgegensetzt da dort doch oft jedes kleinste Detail beschrieben wird und man selbst vor Steinen keinen halt gemacht hat.

Zur Geschichte:
Peter Baumann ist ein Bildhauer der nach 20 Jahren in der Bretagne, zurück nach Hamburg kommt, der Stadt in der er studierte, Freunde und Liebe fand und die er letztendlich fluchtartig verlies. Was treibt einen (ich denke mal) Anfang 50er nach einer so langen Zeit wieder in seine Studienstadt? Die Liebe? Die Arbeit? Vielleicht eine Beerdigung einer seiner Kommilitonen? Nichts von diesen trifft es nur ansatzweise. Peter hat einen Scheck erhalten. Einen Scheck über 6 Millionen Euro.
Dies macht ihn natürlich neugierig, woraufhin er in einen Zug steigt und nach Hamburg fährt. Dort trifft er auf alte Bekannte die sich gar nicht, kaum oder komplett verändert haben. Diese erzählen ihm von dem, was nach seiner Flucht geschehen ist. Und dass ist alles andere als harmlos.

Meine Meinung:
Der Schreibstil des Buches ist toll. Ich bin kein Fan von “nur Text – kaum Dialog” Büchern, aber bei diesem war es anders. Ich habe es gerne gelesen, musste zwar ein paar mal den Satz 3-4 Mal lesen bevor ich ihn verstanden hatte, aber ich denke gerade solche Bücher helfen jüngeren Menschen sich besser und vor allem gewählter auszudrücken. Obszönitäten kann ich in Büchern überhaupt nicht ab und auch wenn es nur einmal vorkam, dass der Autor aus seiner Rolle gefallen ist und die Worte “auf die Kacke hauen” benutzt hat, finde ich dieser Satz hat einiges unschön gemacht.
Im Gegensatz zu vielen Anderen, konnte ich mich überhaupt gar nicht mit dem Protagonisten anfreunden. Er ist egozentrisch, arrogant und hält sich für das beste und wichtigste der Welt. Egal was passiert, es ist natürlich nur passiert weil er da war, er etwas gesagt hat oder er den Raum betreten hat. Jede Bewegung von den Frauen die ihn umgeben, werden als Flirtversuche eingestuft, vom Beine ausstrecken über über die Schulter nach hinten zu schauen. Also als Frau ist man in diesem Buch echt aufgeschmissen. Es hätte mich nicht gewundert wenn Peter es als Flirtversuch angesehen hätte, wenn eine der Damen an ihm vorbeigegangen wäre ohne ihn anzugucken. Wahrscheinlich würde es in diesem Fall heissen “sie habe ihn offenkundlich bemerkt und wolle verbergen, dass sie sich so angezogen von ihm fühle”. Wäre er den Menschen in Hamburg wirklich so wichtig gewesen, wieso hat niemand in den 20 Jahren in denen er fort war, nach ihm gesucht?
Auch macht er vor nichts halt, er kritisiert andere für etwas das er auch macht und fühlt sich als Opfer wenn seine Machenschaften Konsequenzen haben. Ich hatte teilweise das Gefühl einen unreifen Teenager vor mir zu haben, der andere kritisiert weil sie viel Schokolade essen, aber selbst täglich 3 Tafeln verdrückt. Er hat Angst Beziehungen aufzubauen, beschwert sich wenn er nicht durch die Gegend huren darf und verhält sich wie ein eifersüchtiges Kleinkind welches ein Spielzeug teilen muss. Meines Erachtens sollten solche Leute wie er, der mit 50 immer noch unter anscheinenden Kindheits-Traumata leidet, dringend einen Spezialisten aufsuchen. Das ist echt nicht mehr normal.

Fazit:
Das Buch ist wunderschön geschrieben. Es hat wirklich Spass gemacht einfach nur der Kunst die dahinter steckt zu betrachten. Die Geschichte ist auch interessant, obwohl ich deutlich mehr erwartet hätte dank Klappentext (Zit. “Ein abgeschiedener Ort an der bretonischen Atlantikküste dient ihm jahrzehntelang als Zufluchtsort vor zu viel Liebe”). Auch wenn ich den Protagonisten überhaupt nicht mag, ist das Buch wirklich gut!

 -Henny

Vielen Dank an den Osburg Verlag und an den Autor, Boris Meyn, für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

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